15. Sep 2014

Ich liebe Fehler!

15. September 2014 – Ich liebe Fehler! Wieso sind Fehler eigentlich gut? In diesem Blogeintrag geht es um Fehler und weshalb Fehler uns zum Erfolg verhelfen. Gerade für Schüler der Gymivorbereitung und deren Eltern interessant. Und für alle andern natürlich auch.

Im Nachhilfeunterricht komme ich oft an den Punkt, an dem ich mit Schülern über Fehler zu sprechen komme. Letzthin in einer Mathematikstunde entschuldigte sich ein Mädchen jedes Mal, wenn sie einen Fehler machte. Ich fragte sie: „Wieso entschuldigst du dich für deinen Fehler?“ Sie antwortete: „Weil sie schlecht sind.“

Wir lernen in der Schule schon früh den Rotstift kennen. Fehlerzählen ist ein bekanntes Phänomen und wir lernen, dass Fehler schlecht sind. Schliesslich sind 8 Fehler dafür verantwortlich, dass ich nur eine 4 in der Matheprüfung nach Hause gebracht habe. Fehler sind schlecht, denn ich muss eine ganze Seite Verbesserungen schreiben. Fehler will niemand.

„Fehler will niemand.“

Daran glaube ich aber nicht mehr. Im Gegenteil. Ich glaube, dass Fehler der beste Beweis sind, dass wir uns entwickeln. Fehler gibt es immer dann, wenn wir etwas tun. Sie sind also ein Indikator von Produktivität. Ich habe intuitiv meinen Schülern immer beigebracht, dass ich es mag, wenn sie Fehler machen. Denn somit zeigen sie, dass sie arbeiten. Dass sie etwas versuchen. Wer nur still dasitzt und nichts tut, macht keine Fehler. Wir möchten aber lebendige, aktive und interessierte Schülerinnen und Schüler und genau aus dem Grund müssen wir eine Umgebung schaffen, die Fehler anerkennt. Der Fehler gehört genauso dazu, wie das richtige Ergebnis. Ohne den Fehler gäbe es das Ergebnis gar nie. Er ist sozusagen die Bedingung für das richtige Ergebnis und taucht auf dem Weg dorthin unweigerlich auf.

„Ohne den Fehler gäbe es das Ergebnis gar nie. Er ist die Bedingung für das richtige Ergebnis.“

Ich zitiere in diesem Zusammenhang auch gerne Michael Bloomberg, den Ex-Bürgermeister von New York City und Milliardär. Er sagte einmal im Zusammenhang mit Managementfragen, dass ein grosser Teil seines Erfolges in der Tatsache begründet lag, dass sein Team die technologische Entwicklung und die damit verbundenen Schritte immer und immer wieder wiederholten. Und dabei Fehler ganz selbstverständlich dazugehörten. Er hätte diesen Status niemals erreicht, hätte er nicht riskiert, Fehler zu begehen.

Wir sagen oft, „lerne aus deinen Fehlern“ oder noch besser „Wo gehobelt wird, fallen Späne“. Dass diese Weisheiten aber viel mehr mit einer Einstellung gegenüber dem Fehler an sich zu tun haben, wird niemandem gesagt. Aus diesem Grund habe ich den Titel „Ich liebe Fehler“ gewählt. Wir müssen die Fehler schätzen lernen. Wenn ein Schüler dies erreicht, wird er durch das Begehen eines solchen motiviert. Er wird motiviert die Aufgabe erneut zu lösen, um somit zum richtigen Ergebnis zu kommen. Wer sich über Fehler freut, verliert niemals so schnell die Motivation, wie einer der sich dadurch im Selbstwert reduziert fühlt.

„Wir müssen Fehler schätzen lernen.“

Im Unterricht ist es deshalb tragend, die Schüler und Schülerinnen auf eine solche Haltung umzupolen. Salman Khan, der Gründer von khanacademy.org, hat in einem eben veröffentlichten Blogeintrag genau über dieses Thema geschrieben. Er verglich zwei Persönlichkeiten. Die „Wachstums“-Personen und die „Fixierten“-Personen. Während erstere durch Fehlschläge und Fehler in schwierigen Situationen zu bestehen versuchen, sind Zweitere überzeugt davon, dass Intelligenz und Dummheit fest verteilt sind. Wenn erstere einen Fehler begehen, versuchen sie es erneut und kommen in der Situation zurecht, denn sie wissen, dass sie dabei wachsen. Zweitere lassen resigniert ab, denn sie haben soeben bestätigt, dass sie eben „dumm“ sind. Diese Einstellungen – es liegt an uns Erwachsenen – können wir beeinflussen.

Frohe_Nachhilfe

Am Wichtigsten ist dabei die wissenschaftliche Erkenntnis, dass der Mensch am meisten lernt, wenn er sich anstrengen muss. Solche Situationen der Anstrengung sind eben viel leichter zu ertragen, wenn man eine gesunde Einstellung gegenüber den Fehlern hat und dies legt meiner Ansicht nach, den Grundstein zum Erfolg. Und das nicht nur in der Schule.

„Eine gesunde Einstellung gegenüber Fehlern legt meiner Meinung nach den Grundstein zum Erfolg. Und das nicht nur in der Schule.“

Ich habe die Schülerin darauf gefragt: „Entschuldigst du dich für ein Geschenk?“, worauf ihr die Wichtigkeit von Fehlern bewusst wurde. Und durch diese Erkenntnis fiel auch die Angst ab, einen solchen zu begehen. Und zum Schluss bemerkte sie: „Die Lektion hat sich gar nicht wie eine volle Stunde angefühlt.“

Es sind gerade solche Gedanken, die wir in unserem Unterricht und gerade in der Gymivorbereitung vermitteln. Dort wo grosse Anstrengung vonnöten ist, sind solche Ideen am wirkungsvollsten. Wenn diesen Aspekten – die sehr universell sind – mehr Rechnung getragen würde, hätten Gymivorbereitung, Nachhilfe und bei den Schülern die Schule selbst einen viel besseren Ruf.

Auch aus diesem Grund erstellen wir bei Zürcher Nachhilfe zum Beispiel unsere Kursmaterialien in Eigenregie und lassen in diese Erfahrungen aus unzähligen Nachhilfestunden, selbst durchlebten Prüfungssessionen und die Erfahrung aus dem eigenen Schulalltag einfliessen. Diese gesamtheitliche Angehensweise ist denn auch der Grund, weshalb unsere Lektionen und Kurse so beliebt sind und sich Jahr für Jahr mehr Eltern für uns entscheiden.

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