28. Nov 2014

Der grosse Nachhilfe-Selbstversuch

28.11.2014 – Ich leite eine Nachhilfeschule, bin Nachhilfelehrer, habe selber schon tausende Stunden erteilt. Was tue ich genau? Das finde ich im Selbstversuch raus.

Die beste Nachhilfe – Ein Selbstversuch

Diese Bachelor-Arbeit. Ich hätte sie schon lange schreiben sollen. Es geht um die finale Arbeit, um meinen Bachelorabschluss in Volkswirtschaft zu erlangen. Das Thema:

Die Entlohnung von Sekundarlehrkräften 1870-1910: Ein Vergleich zwischen den Kantonen Zürich und Bern

Nun, das klingt sehr spannend. Ist es auch. Und überfordernd. Die unzähligen Statistiken, Zahlen, Methoden. Braucht man jetzt den Chi-Quadrat-Test? Oder doch lieber eine multiple Regression? Zusammenhänge zu analysieren ist eine ganz schön komplizierte Sache. Ich kann Ableitungen berechnen, Integrale sind sowieso kein Problem. Lineare Algebra und n-Dimensionale Räume habe ich auch gepackt. Aber Statistik ist da so ein anderes Thema. Vieles liegt lange zurück und in Anbetracht der Wichtigkeit der Situation, kommt man leicht in eine Stresssituation.

So auch ich. Ich war total überfordert, bis mir die geniale Idee kam, einen Nachhilfelehrer zu suchen. Ja genau! Wieso nicht schon früher und genau da hat es begonnen. Wie finde ich so einen? Wie weiss ich, dass er „gut“ ist? Was einen guten Nachhilfelehrer auszeichnet, das wusste ich bis anhin nur deshalb, weil ich selber Nachhilfelehrer war und bin und wusste was ich tun musste, damit die SchülerInnen Erfolg hatten. Ich habe die Sache aber nie aus der Perspektive des Schülers und des Kunden gesehen. Die Situation bietet sich also perfekt an für einen Selbstversuch. Die Geschichte ergibt ein Drama in 4 Akten.

1. Akt – Die Suche
Es begann mit der Suche. Mir schien die Skype-Sitzung über teachpoint.ch als angemessen, denn ich brauchte lediglich Informationen und Antworten zu meinen Fragen. So schrieb ich auf besagter Seite drei Lehrer an, unter anderem einen der Mitgründer, der sich als Statistiklehrer anbot. Keine Antwort von allen dreien, auch nach 3 Tagen nicht. Aber es musste doch schnell gehen!!! So postete ich auf Uniboard einen Hilferuf, auf den ich eine Antwort bekam.

So habe ich in einem ersten Schritt folgende wichtige Punkte ermittelt, was ein gutes Nachhilfeangebot erst einmal bieten muss:

– Verfügbarkeit des Angebotes
– Schnelle Reaktion des Anbieters
– Man muss sich in seiner Situation verstanden fühlen

2. Akt – Die Organisation
Nach einer nicht ganz reibungslosen Kommunikation hatte ich 10 Tage später einen Termin mit Gian-Carlo. Er studiert was mit Mathe und so an der ETH. Also haben wir uns an der ETH in der Cafetteria zum Kaffee getroffen. Ich schilderte ihm die Situation – und erst da wurde mir bewusst, dass ich schon viel getan habe, denn ich wusste über meine Situation bescheid. Oftmals ist es der Fall, dass ein Nachhilfeschüler nicht weiss, weshalb er Probleme hat. Da braucht es einen erfahrenen Nachhilfelehrer, der dies erkennt und es zusammen mit dem Schüler analysieren kann. Das braucht viel Einfühlungsvermögen und Verständnis. Verständnis in dem Sinne, dass sich der Nachhilfelehrer nicht selbst stressen lässt, wenn ein verzweifelter Schüler da sitzt und zugibt, dass er von nichts eine Ahnung hat und so die Situation noch schlimmer macht.

Im zweiten Schritt, habe ich herausgefunden, welche Bedingungen zu Beginn gegeben sein müssen, damit sich der Erfolg einstellen kann:

– Räumlichkeiten sind wichtig, damit man seine Ruhe hat.
– Erfahrung des Tutors spielt eine zentrale Rolle.
– Es braucht Struktur in der Abwicklung der ersten Stunde.

3. Akt – Die Lektion
Nach 10 Minuten Kaffetrinken ergriff ich die Initiative und legte los. Ich wollte ja schliesslich was erreichen. Es stellte sich heraus, dass er nur bis 5 Uhr Zeit hatte, obwohl ich eigentlich für 2 Stunden nach Zürich gekommen bin. Deshalb hiess es Gas geben, denn ich war in meiner Sache ziemlich verzweifelt. Ich muss in ein paar Wochen die vermaledeite Arbeit abgeben und ich brauche Hilfe, damit das nicht zum Desaster wird. Ich weiss, dass ein vorbereiteter Nachhilfeschüler ein guter Nachhilfeschüler ist. Deshalb habe ich mich mit Fragen vorbereitet. So stellte ich eine Frage nach der anderen, doch ich lief ins Leere. Entweder war die Erklärung zu stark mit Fachbegriffen gespickt oder aber die Erklärung war ungenau mangels Fachwissen. Das brachte mich nicht weiter. Mein Ziel war klar. Ich wollte nach der Stunde einen Anhaltspunkt haben, ein Startpunkt, eine Erklärung, eine Idee. So etwas in der Art gab es auch. Es war in der Form einer Notiz auf meinem Blatt „Zentraler Grenzwertsatz“. Fantastisch! Ich konnte das zu Hause googeln und war danach genauso weit wie zuvor.

Im dritten Schritt habe ich herausgefunden, was ein guter Unterricht im generellen ausmachen könnte (Liste nicht abschliessend):

– Fachkompetenz des Nachhilfelehrers
– Struktur im Unterricht
– Definition eines Zieles
– Initiative seitens des Tutors

4. Akt – Epilog
Nun, ich weiss aus Erfahrung, dass fruchtbare Zusammenarbeit erst nach einiger Zeit entstehen kann. Deshalb werde ich hier dran bleiben und einen weiteren Termin vereinbaren. Doch hier fängt es schon an. Wann und wo. Alles liegt an mir. Wofür bezahlt man denn überhaupt? In diesem Falle nur für das Wissen, das der Tutor mitbringt. Auf Organisation der Termine, Kontinuität, Kompetenz im Unterrichten, Terminvereinbarung, Feedback und Räumlichkeiten muss man bewusst verzichten. Deshalb kostet die Stunde ja auch bloss CHF 40.- Es liegt also wieder an mir, die Sache in die Hand zu nehmen. Was hat man dabei gelernt? Auch ich habe mich der Illusion hingegeben, dass ein Nachhilfelehrer, alle meine Probleme in Nichts verwandeln kann, ich mich zurücklehnen kann und alles gut wird. Ich vergass komplett, dass es ja um mich ging und ich einen Einsatz leisten muss, die Nachhilfe bloss als Stützpfeiler gilt. Dass dieser qualitativ nicht der beste zu sein scheint, kommt mit dem Risiko der selbstorganisierten Nachhilfe halt eben mit dazu. Doch hier zeigt sich einmal mehr die Gleichung, dass Risiko und Payoff unmittelbar zusammenhängen. Damit ein Besuch bei der Nachhilfe nicht zum Risiko wird, dafür setzen wir uns bei Zürcher Nachhilfe Tag für Tag ein. Dafür setzen wir uns sogar Selbsttests aus! Wo gibt’s das sonst?

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