27. Jul 2015

Wie bestehe ich die Probezeit? Wir zeigen es dir

27. Juli 2015 – Probezeit steht an? Wir erklären euch in 4 wichtigen Punkten worauf es ankommt. Dieser Guide hilft, die Probezeit zu bestehen.

 

Wie bestehe ich die Probezeit? Wir zeigen es dir

  1. Die Probezeit
  2. Ängste und Sorgen?
  3. Was kann ich als Schüler tun?
  4. Was kann ich in der Elternposition tun?

In meinen sechs Jahren Gymnasium an der Kantonsschule Rychenberg in Winterthur war die mit Abstand schwierigste Phase die Probezeit. Die Umstellung, der Druck, die schiere Menge an neuen Informationen in sämtlichen Bereichen und nicht zuletzt auch die komprimierte Form, in welcher alles stattzufinden hatte, machte mir zu schaffen.

Was ich mittlerweile weiss, ich war nicht alleine mit meinen Gedanken. Sämtlichen Klassenkameraden damals sowie Freunden von heute, welche das Gymnasium absolviert haben, erging es gleich. Es wird stets betont, dass die Probezeit im wahrsten Sinn ein Prüfstein, eine Zeit der Probe war.

Wir wollen euch unsere Erfahrungen, unser Wissen und unsere Tricks zeigen, dass sie euch durch die Probezeit begleiten und unterstützen.

Viel Erfolg!

 

1. Die Probezeit

Langzeitgymnasium (Eintritt ins Gymnasium nach der Primarstufe – 6. Schuljahr):

Die definitive Aufnahme ins Langzeitgymnasium erfolgt nach einer Probezeit von einem Semester. Die reglementarische Probezeit beginnt am ersten Schultag nach den Sommerferien und dauert bis zu den Sportferien. Die Schüler werden promoviert, wenn in allen Promotionsfächern, die im betreffenden Semester unterrichtet werden:

  • die doppelte Summe aller Notenabweichungen von 4 nach unten nicht grösser als die Summe aller Notenabweichungen von 4 nach oben ist
  • nicht mehr als drei Noten unter 4 erteilt werden.

Promotionsfächer sind die Maturitätsfächer gemäss Lehrplan, d.h. alle unterrichteten Fächer (ausser Sport) werden berücksichtigt.

Weitere Informationen dazu finden Sie im Promotionsreglement für die Gymnasien des Kantons Zürich.

Kurzzeitgymnasium (Eintritt ins Gymnasium nach der Sekundarstufe – 8./9. Schuljahr):

Die definitive Aufnahme ins Kurzzeitgymnasium erfolgt nach einer Probezeit von einem Semester. Die reglementarische Probezeit beginnt am ersten Schultag nach den Sommerferien und dauert bis zu den Sportferien. Die Schüler werden promoviert, wenn in allen Promotionsfächern, die im betreffenden Semester unterrichtet werden:

  • die doppelte Summe aller Notenabweichungen von 4 nach unten nicht grösser als die Summe aller Notenabweichungen von 4 nach oben ist
  • nicht mehr als drei Noten unter 4 erteilt werden.

Promotionsfächer sind die Maturitätsfächer gemäss Lehrplan. Die Maturitätsfächer sind 7 Grundlagenfächer, ein Schwerpunktfach und ein  Ergänzungsfach, welche jeweils aus einem einzelnen Fach oder aus einer Fächergruppe mit mehreren Fächern bestehen.

Schüler, welche die Aufnahmeprüfung, nicht aber die Probezeit bestanden haben, werden im darauf folgenden Jahr prüfungsfrei wieder in die Probezeit aufgenommen, falls sie die Altersgrenze nicht überschritten haben.

Weitere Informationen dazu finden Sie im Promotionsreglement für die Gymnasien des Kantons Zürich.

 

2. Ängste und Sorgen

Einer der Momente meiner Gymi-Karriere, der mir am meisten geblieben ist, war jener, als ich meine erste Prüfung zurückerhielt. Aus der Primarschule war ich es mir gewohnt Schulnoten zwischen minimal 5 und 6 zu schreiben. So war nun diese erste Mathematik Prüfung in meinen Händen, auf welche in roten Buchstaben eine 3.4 verewigt war. Für mich brach in diesem Moment eine kleine Welt zusammen. Du bist nicht mehr ohne Aufwand Klassenbester, nein, wenn du so weitermachst reicht das nicht für eine 4, also fliegst du raus. Das Gefühl meinen oder anderen Ansprüchen nicht zu genügen machte mir derart fertig, dass ich mich schämte vor meine Mutter zu treten, und ihr die eben ungenügende Note zu zeigen. Ich war mir andere Schulnoten gewohnt, und neben der Angst was kommen könnte, hatte ich nun auch mit meinem Ego zu kämpfen. Kann es wirklich sein, dass ich eine derart schlechte Note in Mathematik geschrieben habe?! Ich musste mich zwangsweise an eine mir unbekannte Situation gewöhnen, ob ich nun wollte oder nicht.

  • Genüge ich den Ansprüchen? Kann ich es mir Recht machen? Kann ich die Erwartungen meiner Mitmenschen erfüllen?
  • Was passiert, wenn ich diesen Anforderungen nicht genüge? Schäme ich mich? Werde ich wütend? Werde ich traurig?
  • Was bedeutet dieser Situationswandel? Wie kann ich mit dieser kompletten Umstellung in nahezu sämtlichen schulbezogenen Bereichen umgehen?

Was passiert, wenn ich die Probezeit nicht schaffen sollte?

 

3. Was kann ich als Schüler tun?

Eine gute Organisation ist bereits die halbe Miete. Get organized!

  • Eine gut geführte Agenda gibt nicht nur ein Gefühl der Sicherheit nichts vergessen zu haben, sie hilft auch eine Planung für bevorstehende Prüfungen.
  • Aus diesem Punkt folgt, auch, dieser. Es lohnt sich einen Lernplan zu erstellen. Was, muss ich wann lernen. Jede Prüfung, jeder Lehrer und jedes Fach stellt andere Anforderungen allgemein und an einen individuellen Schüler. Wann muss ehrlich zu sich selber sein, wie viel Aufwand eine bestimmte Prüfung für den individuellen Schüler fordert, und entsprechend seinen Lernplan erstellen. Lass dich nicht verwirren von Mitschülern mit „was du hast schon angefangen zu lernen?!“
  • Wieder zum Thema Organisation: Das Schulmaterial sollte immer bereit und nachgeführt sein. Es ist symptomatisch, dass die meisten Schüler, welche die Probezeit nicht bestehen gerade in diesem Punkt Defizite aufweisen. Einzelne Notizen auf Fresszetteln sind nun mal nicht zu vergleichen mit einem sauber geführten Heft, wo alles vollständig auf einen Blick ersichtlich ist.
  • Versuche die Lehrer kennenzulernen. Nicht im Sinne von nachfragen, was denn seine Hobbies sind, sondern wie macht er Prüfungen, was ist wichtig an seinen Schulstunden, wie kann ich meinen Lernstil der entsprechenden Lehrperson anpassen.
  • Versuche herauszufinden, was dein Lernstil ist. Gewisse Personen müssen sich alles aufschreiben, andere Vorsagen, andere wiederum müssen einen Text einfach lesen um sich die relevanten Informationen merken zu können. Der optimale Lernstil sowie die optimale Lernzeit sind so individuell wie du es bist. Finde heraus, was für dich stimmt.
  • Sprich mit Personen aus deinem Umfeld, welche die Probezeit bereits absolviert haben, um herauszufinden, was auf dich zukommt. Vielleicht hast du Glück, und die entsprechende Person hat(te) sogar gleiche Lehrpersonen. Dann kannst du auch nachfragen, wie diese Lehrperson funktioniert und Prüfungen schreibt.
  • Zum Teil sind alte Prüfungen bestimmter Lehrpersonen im Internet auffindbar, oder man kann sich informieren, ob gewisse Personen noch alte Prüfungen haben. So kannst du den Prüfungsumfang und den Prüfungsstil erahnen, und wenn du besonders Glück hast, kommt vielleicht eine Frage aus einer alten Prüfung auch in deiner vor.
  • Es ist wichtig sich selber alleine oder in Zusammenarbeit mit anderen Personen Ziele zu definieren. Die Probezeit ist hart. Wenn man jedoch genau weiss warum man sich in dieses Abenteuer stürzt fällt es leichter sich gewissen Entbehrungen zu stellen, oder am Abend noch hinzusitzen und zu lernen. Diese Ziele können im grossen Rahmen sein („ich will Arzt werden, daher brauche ich eine Matur“), oder auch im kleineren („ich möchte in Mathematik unbedingt besser werden“)
  • Lerngruppen sind eine gute Möglichkeit von den Stärken der Mitschüler zu profitieren und gleichzeitig mit den eigenen Stärken Mitschüler zu unterstützen. Die kann sehr fachspezifisch sein, Lerntechniken beinhalten, oder zwischenmenschliche Komponenten fördern. Lerngruppen bieten eine zwei für eins Situation. Man kann von den Mitschülern lernen, und lernt sie gleichzeitig dazu noch besser kennen. Dies wiederum ist förderlich für die gegenseitige Unterstützung in jeglicher Situation.
  • Zusammenfassungen des Prüfungsstoffs helfen auf einen Bick sämtliche relevanten Informationen bereit zu haben. Ausserdem erfolgt beim Prozess des Schreibens bereits ein erster Lernblock.

 

4. Was kann ich in der Elternposition tun?

Ihr Kind ist in einer ausserordentlichen Situation, und gerade dann fragt man sich verstärkt, wie man sein Kind unterstützen kann. Für viele Dinge ist das Kind schlussendlich selbst verantwortlich und man nur eine begleitende Funktion einnehmen, aber genau diese ist äusserst wichtig.

  • Ordnung ist das halbe Leben. Sowohl für das Kind, wie aber in dieser Situation auch für das Umfeld.
  • Wichtigste Anschaffung überhaupt: eine Agenda!
  • Ein sauber geführtes Heft, oder gut geordnete Unterlagen erhöhen die mentale Ordnung des Schulstoffs. Lose Blätter und unvollständige Materialien haben noch selten zum Erfolg geführt. Unterstützen Sie Ihr Kind dabei. Sei das mit geeignetem Material oder der Nutzung des Ebenjenen.
  • Versuchen Sie im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten eine möglichst lernfreundliche Umgebung zu schaffen. Je mehr Ablenkung vorhanden ist, desto eher ist eine Ablenkung logischerweise möglich. Dies mag simpel und plausibel klingen, ist in der Realität aber doch häufig anzutreffen.
  • Sprechen Sie mit Eltern in der gleichen Situation nach ihren Erfahrungen. Auch bereits gemachte Erfahrungen von Kindern, welche die Probezeit bestanden haben, oder von deren Eltern sind ausserordentlich wertvoll. Sei es als Bestätigung des Handelns oder als Input, man selbst hat nie ausgelernt, und auch das Gegenüber wird nach einem solchen Gespräch allenfalls gewisse Dinge mit nach Hause nehmen.
  • Nutzen Sie von der Schule angebotene Elternabende. Es gibt Ihnen einen Eindruck der Lehrperson, der Schulumgebung und der Situation des Kindes.
  • Essen, schlafen, Bewegung. Eigentlich hat das nur beschränkt mit der Probezeit zu tun, und doch mehr als man denken könnte. Die Konzentration nimmt mit schlechtem Schlaf, unzureichender, zu wenig ausgeglichener Ernährung und mit wenig Bewegung ab. Bewegung in jeglicher Form bildet ausserdem einen guten Ausgleich zur kopflastigen Schularbeit. Es ermöglicht eine Pause, nach welcher man wieder mit neuer Energie auf die Schule konzentrieren kann.
  • Jeder Mensch ist anders, ergo lernt auch jede Person anders. Thema individueller Lernstil Versuchen Sie Ihr Kind zu motivieren in sich hineinzuhorchen und ebendas herauszufinden. Sie können danach Ihr Kind in seine Bedürfnissen noch besser unterstützen, weil es Ihnen sagen kann, was gut ist. Dies ist kein Prozess, welcher von heute auf morgen stattfindet, aber genau deshalb ist es umso wichtiger sich früh Gedanken darüber zu machen.
  • Was, wenn Ihr Kind die Probzeit nicht bestehen sollte Ein übermässiger Druck kann eine richtiggehende Blockade auslösen. Nehmen Sie die Sorgen und Ängste war und sprechen Sie darüber.

 

Weitere Links zum Thema:

Beitrag SRF zum Thema Probezeit

Beitrag Tagesanzeiger zum Thema Probezeit

Beitrag NZZ zum Thema Probezeit