05. Aug 2017

Welche Gymiprüfung macht Sinn?

Welche Ausbildung macht Sinn? Direkt ans Gymi nach der Primarschule, oder vielleicht doch besser zuerst an die Sekundarschule und dann ans Gymnasium? Wie sieht es aus mit Fach-, Handels- oder Informatikmittelschule? Hier finden Sie wichtige Informationen rund um dieses Thema.

Die Gymiprüfung ist eine grosse Sache, keine Frage. Für das Kind und seine Eltern geht es in diesem Moment um alles. Wie sehen die nächsten Jahre aus? Wo geht das Kind in die Schule? Wie lange geht es in die Schule? Und schliesslich: Welche Möglichkeiten bieten sich nachher? Kein Wunder also, sollte man sich genau überlegen, für welche Schule man sich anmeldet. Im Kanton Zürich bieten sich viele verschiedene Wege, zu einem Mittelschulabschluss zu kommen. Neben dem klassischen Lang- oder Kurz-Gymnasium bilden die Fachmittelschule (FMS), die Informatikmittelschule (IMS) oder die Handelsmittelschule (HMS) eine passende Alternative. Hinzu kommen das Kunst- und Sportgymnasium sowie das Liceo Artistico, dazu aber später mehr.

Normalerweise besteht die Möglichkeit, innerhalb der einzelnen Schultypen zu wechseln. Je nachdem sind aber Auflagen daran gebunden. Ein beliebter Weg für viele FMS-Absolventen ist der Übertritt ins Gymnasium nach drei Jahren Schulzeit. Es lohnt sich aber trotz dieser sogenannten horizontalen Durchlässigkeit, sich genau zu überlegen, welche Möglichkeiten welcher Schultyp nach dem Abschluss ermöglicht, welche Fächer angeboten und schliesslich welche Interessen wo und wie abgedeckt werden.

Die Schultypen

Im Folgenden sollen die einzelnen Schultypen kurz vorgestellt werden. Die Grafik macht deutlich, welche Schule ab wann angetreten werden kann und wie lange sie dauert.

Grundsätzlich unterschieden werden Kurz- und Langzeit-Mittelschulen. Zu den Langzeitschulen zählen das Langgymnasium sowie das lange Kunst- und Sportgymnasium. Beide können ab der 6. Klasse besucht werden. Das Kurzgymnasium, das Liceo Artistico sowie die Handelsmittelschule (HMS) können alle ab der 2. Oder 3. Sekundarstufe besucht werden. Das kurze Kunst- und Sportgymnasium, die IMS sowie die FMS können alle erst ab der 3. Sekundarstufe besucht werden. Aufgepasst! Die verschiedenen Typen haben unterschiedliche Laufzeiten:

  • Das Langzeitgymi dauert sechs Jahre;
  • das lange Kunst- und Sportgymi sieben Jahre;
  • das Kurzzeitgymi, die HMS, IMS sowie FMS dauern vier Jahre;
  • das kurze Kunst- und Sportgymnasium und das Liceo Artistico fünf Jahre.
Laufzeit Schulen Kanton Zürich

Quelle: Bildungsdirektion Kanton Zürich, Mittelschul- und Berufsbildungsamt

Die Gymnasien

Lang- und Kurzgymnasium, Kunst- und Sportgymnasium sowie das Liceo Artistico sind die einzigen Schulen, welche die eidgenössisch anerkannte Maturitätsausbildung anbieten. Mit der Matur steht dem/r Absolvent/in die Tür für alle Schweizer Hochschulen offen (Ausnahme: Numerus Clausus fürs Medizinstudium und Anmeldungen sur dossier).

Die unterschiedlichen Gymnasien im Kanton Zürich setzen unterschiedliche Schwerpunkte beim Angebot der Maturitätsprofile. Je nach Schule gelten andere Bestimmungen zum Übertritt aus der Unterstufe. Angeboten werden:

  • Altsprachliches Profil (Griechisch und Latein)
  • Musisches Profil
  • Mathematisch-Naturwissenschaftliches Profil
  • Neusprachliches Profil
  • Wirtschaftlich-Rechtliches Profil

Die Mittelschulen

Die drei Mittelschulen können eine interessante Alternative zum Gymnasium sein, wenn das Kind bereits klare Vorstellungen hat, welchen Beruf es ausüben möchte. Man kann davon ausgehen, dass die Mittelschulen allesamt eher auf eine berufsorientierte bzw. praxisorientierte Laufbahn vorbereiten

  • Die Handelsmittelschule beispielsweise ist richtet sich an Interessenten/innen für kaufmännische Berufe. In der vierjährigen Ausbildung ist ein Praxisjahr eingeschlossen. Am Ende hält man die Kaufmännische Berufsmaturität mit Ausrichtung Wirtschaft in den Händen und kann gleich loslegen. Im Kanton Zürich führen die Kantonsschule Büelrain in Winterthur sowie die Kantonsschule Enge und Hottingen in Zürich eine HMS.
  • Die Informatikmittelschule dauert ebenfalls vier Jahre und beinhaltet auch ein Praxisjahr. Wer die IMS besucht, erlangt am Ende die Berufsmaturität mit Ausrichtung Wirtschaft sowie das eidgenössische Fähigkeitszeugnis für Applikationsentwicklung. Im Kanton Zürich führen die Kantonsschule Büelrain in Winterthur sowie die Kantonsschule Hottingen in Zürich eine IMS.
  • Die Fachmittelschule dauert normalerweise vier Jahre, sofern die Fachmaturität absolviert wird. Nach dem Basisjahr, entscheidet man sich für ein Profil wie z.B. Pädagogik, Kommunikation und Information oder Gesundheit und Naturwissenschaften. Nach drei Jahren erhält man den Fachmittelausweis, welche den Zugang zu einer Höheren Fachschule ermöglicht. Wer jedoch an die Fachhochschule möchte, absolviert in einem vierten FMS-Jahr ein Praktikum im gewählten Berufsfeld und schreibt eine Fachmaturitätsarbeit. Im Kanton Zürich führen die Kantonsschule Zürich Nord in Zürich sowie die Kantonsschule Rychenberg in Winterthur eine FMS.

 

Aufbau Kantonale Fachmittelschule

Quelle: Bildungsdirektion Kanton Zürich, Mittelschul- und Berufsbildungsamt

 

Welche Gymiprüfung macht Sinn?

Nun, wenn Sie wissen, dass Kind sowieso von einem Studium an der ETH oder an der Universität träumt, ist eine Maturität über das Gymnasium der direkteste Weg. Dem Kind stehen danach alle Türen offen, auch wenn es sich nicht für ein Studium an einer Universität entscheiden sollte. Der Weg dorthin ist aber kein Zuckerschlecken. Im Gymi ist es normal, dass man in einer Woche gleich mehrere Prüfungen hat, meistens sogar am selben Tag. Das Kind sowie seine Eltern sollten sich im Klaren darüber sein, welche Belastung das bedeutet. Auf der anderen Seite hat das Kind während 4 bzw. 6 Jahren Zeit, sich Gedanken zu machen, welchen Weg es nach der Maturität einschlagen will – sei es Studium oder Beruf.

Die IMS und HMS hingegen richten sich gezielt an Schüler*innen, welche schon wissen, dass sie später im Informatik- bzw. kaufmännischen Bereich tätig sein wollen. Ein Studium ist aber keineswegs ausgeschlossen: Die Absolvent*innen haben eine Berufsmaturität in der Tasche und können sich jederzeit an einer Fachhochschule für ein Studium eintragen oder mittels Passarelle den Weg an eine Universität einschlagen.

Als Mischform erweist sich die FMS, welche mit den unterschiedlichen Profilen mehrere praktische Tätigkeitsfelder abdeckt. Es sei jedoch nochmals betont, dass erst mit der ergänzenden Fachmaturität im vierten Jahr der Weg an die Fachhochschule offensteht.

 

Welche Noten braucht es um die Prüfung zu bestehen?

Langzeitgymnasium:

Die Prüfung ist bestanden, wenn der Durchschnitt aus der Prüfungsnote und der Erfahrungsnote mindestens 4.5 beträgt. Als Erfahrungsnote gilt bei Schülern der 6. Klasse der Primarschule das Mittel aus den Noten in Deutsch und Mathematik.

Kurzzeitgymnasium:

Der Eintritt ins Kurzgymnasium ist ab der 2. oder 3. Klasse der zürcherischen Sekundarstufe (A oder B) möglich. Im Unterschied zum Langgymnasium sind lediglich die Prüfungsnoten ausschlaggebend für den Aufnahmeentscheid. Getestet werden die Fächer Deutsch, Französisch und Mathematik, je schriftlich und mündlich. Wer in der schriftlichen Prüfung eine Note von mindestens 4 erreicht, wird aufgenommen. Wer in der schriftlichen Prüfung eine Note von unter 3.75 erreicht, wird abgewiesen. Kandidatinnen und Kandidaten mit Noten zwischen 3.75 und 3.99 müssen die mündliche Prüfung ablegen, wo sie mindestens eine 4 erreichen müssen.

Handelsmittelschule:

Der Eintritt in die HMS ist ab der 2. oder 3. Klasse der zürcherischen Sekundarstufe (A oder B) möglich. Ausschlaggebend dafür ist das Abschneiden an der Aufnahmeprüfung für Mittelschulen. Getestet werden die Fächer Deutsch, Französisch und Mathematik, je schriftlich und mündlich. Wer in der schriftlichen Prüfung eine Note von mindestens 3.87 erreicht, wird aufgenommen. Wer in der schriftlichen Prüfung eine Note von unter 3.37 erreicht, wird abgewiesen. Kandidatinnen und Kandidaten mit Noten zwischen 3.37 und 3.86 müssen die mündliche Prüfung ablegen, wo sie mindestens eine 4 erreichen müssen.

Informatikmittelschule:

Wer an die IMS will, muss einen Eignungstest für Informatik sowie die Aufnahmeprüfung an die Mittelschule bestehen. Der Eintritt in die IMS ist ab der 3. Klasse der zürcherischen Sekundarstufe (A oder B) möglich. Getestet werden die Fächer Deutsch, Französisch und Mathematik, jedoch nur schriftlich. Wer in der schriftlichen Prüfung eine Note von mindestens 4 erreicht, wird aufgenommen. Alle anderen Kandidatinnen und Kandidaten werden abgewiesen.

Fachmittelschule:

Der Eintritt in die FMS ist ab der 3. Klasse der zürcherischen Sekundarstufe (A oder B) möglich. Ausschlaggebend dafür ist das Abschneiden an der Aufnahmeprüfung für Mittelschulen. Getestet werden die Fächer Deutsch, Französisch und Mathematik, je schriftlich und mündlich. Wer in der schriftlichen Prüfung eine Note von mindestens 4 erreicht, wird aufgenommen. Wer in der schriftlichen Prüfung eine Note von unter 3.75 erreicht, wird abgewiesen. Kandidatinnen und Kandidaten mit Noten zwischen 3.75 und 3.99 müssen die mündliche Prüfung ablegen, wo sie mindestens eine 4 erreichen müssen.

Liceo Artistico:

Wer ans Liceo Artistico will, muss eine Eignungsprüfung in gestalterischen Fächern sowie die Aufnahmeprüfung bestehen. Der Eintritt in die IMS ist ab der 2. oder 3. Klasse der zürcherischen Sekundarstufe (A oder B) möglich. Getestet werden die Fächer Deutsch, Französisch (in gewissen Fällen Italienisch statt Französisch) und Mathematik, schriftlich und mündlich. Wer in der schriftlichen Prüfung eine Note von mindestens 4 erreicht, wird aufgenommen. Wer in der schriftlichen Prüfung eine Note von unter 3.75 erreicht, wird abgewiesen. Kandidatinnen und Kandidaten mit Noten zwischen 3.75 und 3.99 müssen die mündliche Prüfung ablegen, wo sie mindestens eine 4 erreichen müssen.

Kunst- und Sportgymnasium:

Im Anschluss an die 6. Klasse der Primarstufe: Es gelten die gleichen Bestimmungen wie für das Langgymnasium mit Ausnahme einer Eignungsabklärung der musikalischen, sportlichen und tänzerischen Fähigkeiten.

Im Anschluss an die 2. Klasse der Sekundarstufe: Wer ans K+S will, muss die musikalischen, sportlichen bzw. tänzerischen Fähigkeiten an einer Eignungsprüfung unter Beweis stellen sowie die Aufnahmeprüfung bestehen. Der Eintritt in die IMS ist ab der 2. oder 3. Klasse der zürcherischen Sekundarstufe (A oder B) möglich. Getestet werden die Fächer Deutsch, Französisch (in gewissen Fällen Italienisch statt Französisch) und Mathematik, schriftlich und mündlich. Wer in der schriftlichen Prüfung eine Note von mindestens 4 erreicht, wird aufgenommen. Wer in der schriftlichen Prüfung eine Note von unter 3.75 erreicht, wird abgewiesen. Kandidatinnen und Kandidaten mit Noten zwischen 3.75 und 3.99 müssen die mündliche Prüfung ablegen, wo sie mindestens eine 4 erreichen müssen.

Was tun?

Das Bildungssystem der Schweiz lässt zu, dass nach der obligatorischen Schulzeit mehrere Wege zu einem Mittelschulabschluss führen. Wichtig ist, dass man sich überlegt, welche Interessen das Kind hat (z.B. Informatik à IMS), welche Schule welchen Bildungsgang anbietet und schliesslich: welche Möglichkeiten nach erfolgreichem Bestehen bestehen. Grundsätzlich gilt, dass von jeder Stufe aus der Weg an die Universität möglich ist, sollte das eine Option sein. Sollte sich herausstellen, dass sich die Interessen während der Schulzeit verschieben oder andere Gründe für einen Wechsel vorliegen, sind Sie gut aufgehoben und keineswegs in einer Sackgasse. Es gibt immer einen Weg ans Ziel!

Titelfoto: flo-flash / photocase.de