11. Aug 2017

Die Probezeit bestehen – Was erwartet mich am Gymnasium

Die Probezeit ist nach der ersten grossen Hürde – die Gymiprüfung – die zweite um wirklich den Sprung ans Gymnasium zu schaffen. Keine leichte Aufgabe. Was erwartet mich denn in der Probezeit am Gymi? Hier ein Erfahrungsbericht und Tipps und Tricks.

Für viele bedeutet der Wechsel an die Mittelschule eine grosse Veränderung. Auf einmal ein neuer Schulweg, neue Schulkamerad*innen, ein neues Schulhaus – ein neues Leben beginnt. Wir haben uns bei unseren Schüler*innen umgehört und gefragt, was die grössten Veränderungen waren, welche Stolpersteine es gab und welche Tipps nützlich sind, damit man die Probezeit erfolgreich übersteht. Was folgt, ist ein Erfahrungsbericht einer ehemaligen Schülerin eines Langgymnasiums im Kanton Zürich.

Stolpersteine und Unterschiede im Alltag gegenüber der Primarschule

Ich habe das Langzeitgymnasium im Anschluss an die Primarschule besucht. Der Wechsel in ein komplett neues Umfeld bringt viele neue Schwierigkeiten in verschiedensten Bereichen mit sich. Das begann für mich bereits mit einem neuen, längeren Schulweg, Busfahren, früher aufstehen, müde sein am Morgen, usw.

Das neue Schulhaus war so viel grösser als mein Primarschulhaus. Plötzlich waren da so viele Menschen und besonders die Schüler der höheren Klassen waren so riesig und sahen so erwachsen aus. Nachdem man in der 6. Primarstufe zu den ältesten gehört hat, fängt man wieder ganz klein an. Vieles ist so anders und unvertraut und neu.

Während die alten Klassenkameraden, welche man oft schon lange kannte, alle zusammen in die Sekundarschule wechselten, musste man sich in der neuen Klasse neue Freunde machen. Dies war nicht für alle gleich einfach. Hinzu kam, dass die neuen Klassenkameraden oft nicht mehr im selben Ort wohnten, was es schwieriger machte, sich ausserhalb der Schule zu treffen. Ich habe meine alte Klasse sehr vermisst und mich lange nicht wohl gefühlt in der neuen Klasse.

Es gab auf einmal neue Lehrer, die man nicht kannte und deren Unterrichtsweise ganz neu war. Im Gegensatz zu den Klassenlehrern in der Primarstufe kümmerten die sich viel weniger um den einzelnen Schüler, da man nun einer unter ganz vielen war. Es entstand eine viel persönlichere Beziehung zwischen Schüler und Lehrer.

Die meisten Gymi-Schüler gehörten in der Primar zu den Klassenbesten. Im Gymi hatte es dann plötzlich nur noch „Klassenbeste“. Man musste sich damit begnügen, nur noch „durchschnittlich“ zu sein, vielleicht sogar „unterdurchschnittlich“. Ich hatte sehr grosse Mühe damit und fand mich sogar in einer Art Identitätskrise wieder. In der Primarschule das Lieblingskind zu sein, ständig Lob und Anerkennung zu erfahren, in die Begabtenförderung gehen zu dürfen, gab einem schon ein gutes Gefühl.

Ich hatte das Gefühl, meinen alten Lehrer und meine Eltern zu enttäuschen, Erwartungen nicht zu erfüllen. Die ausbleibende Bestätigung durch Lob, Anerkennung und Spitzennoten blieb aus. Bei mir löste das starke Selbstzweifel aus. Was, wenn ich jetzt doch nicht so gut bin, wie angenommen? Es entstand eine Art Vakuum, die Welt fühlte sich durcheinander und verkehrt an. Es war fast so, als wurde mir der Boden unter den Füssen weggezogen. Ich war nichts Besonderes mehr und das war sehr schwierig für mich.

Weitere Umstellungen bestanden auch darin, dass der Stoff viel vertiefter behandelt wurde und es viel schneller vorwärtsging. Besonders im Fach Mathematik war es sehr wichtig, dass man am Ball blieb, um nicht abzuhängen. Der Stoff baute aufeinander auf und wenn man etwas in der letzten Stunde nicht verstanden hat, hatte man in der darauffolgenden Stunde erst recht Mühe. Es ist also sehr wichtig, dass man, sobald etwas unklar ist, das zu Hause aufarbeitet, um so dem Stoff folgen zu können.

Plötzlich gab es auch sehr viele Hausaufgaben, manchmal schaffte ich nicht alles, weil ich gleichzeitig noch für Prüfungen lernen musste. Vor allem in der Probezeit gab es sehr viele Prüfungen. Dadurch war man permanent unter Druck. Manche konnten damit besser umgehen als andere. Ich erinnere mich, dass einige Mitschüler aufgrund von Prüfungsangst wieder in die Sek wechseln mussten. Viele hatten Mühe, mit dieser Belastung klarzukommen.

Neu war, dass ich auf einmal viel weniger Freizeit hatte. Der Schulweg war länger, die Unterrichtsstunden haben deutlich zugenommen und auch nach dem Unterricht hatte man nicht frei, sondern musste Hausaufgaben machen, für Prüfungen lernen oder sonstige Dinge nachholen. Es kann sehr schwierig sein, Hobbys und Schule unter einen Hut zu bringen.

Möglichkeiten aufgrund der Veränderungen

Die Veränderungen können auch Chancen darstellen. Neue Freunde finden, kann etwas Schönes sein. Meistens finden sich diejenigen mit den gleichen Interessen schnell.

Bei mir persönlich hatte die oben genannte „Identitätskrise“ auch eine gute Seite. So musste ich ein neues Selbstwertgefühl entwickeln, welches nicht nur auf Anerkennung und Lob von anderen Leuten basierte. Ich musste lernen, dass es auch okay ist, nicht immer alles perfekt machen zu müssen.

Neue Fächer wie Physik und Chemie können sehr viel Spass machen. Die Lehrer haben ein viel grösseres Wissen und allgemein geht der Unterricht viel eher in die Tiefe. Mir hat diese fachliche Seite sehr gefallen.

Auch hat man viel mehr Freiheiten und ist selbstständiger. Je nachdem kann man mittags in der Schule bleiben oder mit Freunden essen gehen. Man entscheidet selber!

Wenn ich vorhin über die hohe Belastung (Hausaufgaben, Prüfungen) gesprochen habe, so stellt das auch ein Potenzial dar. Ich lernte zum Beispiel, Prioritäten zu setzen, was mir heute noch zu gute kommt.

Nützliche Tipps und Tricks

Am Ball bleiben! Besonders in Fächern wie Mathematik und Physik ist das sehr wichtig. Das heisst: zuhause aufarbeiten, wenn etwas nicht klar ist, sodass man in der nächsten Stunde dem Unterricht wieder folgen kann und. Auch das Erledigen der Hausaufgaben in diesen Fächern ist sehr wichtig. So sieht man, ob man den Stoff wirklich verstanden hat und kann Unklarheiten sofort angehen. Sonst verliert man bereits am Anfang der nächsten Stunde den Anschluss, wenn die Aufgaben besprochen werden.

Prioritäten setzen! Sei es bei zu vielen Hausaufgaben oder sehr umfangreichem Prüfungsstoff. Was ist wirklich wichtig und was kann man später erledigen?

Sich mit Klassenkameraden abzusprechen, wie sie lernen und was sie lernen! Manchmal hilft es, sich gegenseitig Dinge zu erklären oder zusammen auf eine Prüfung zu lernen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Es tut gut, wenn man weiss, dass es den anderen manchmal auch schwerfällt.

Freizeitaktivitäten nicht aufgeben! Auch wenn es stressig ist in der Schule – der Ausgleich ist enorm wichtig. Ausserdem arbeitetet man oft effizienter, wenn man wenig Zeit zur Verfügung hat.

Genug schlafen! Zwar ist es nicht einfach, regelmässig bei Zeiten ins Bett zu gehen, ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass es wirklich etwas bringt. Wenn man müde ist, wird einem viel schneller alles zu viel, man ist nicht aufmerksam während denn Stunden und verliert den Anschluss.

Dem Unterricht folgen! Es ist viel effizienter, bereits im Unterricht gut mitzumachen und zu lernen, anstatt zuhause alles aufarbeiten zu müssen. 
Oft macht auch die mündliche Beteiligung einen beachtlichen Teil der Note aus (was meiner Meinung nach eher unfair gegenüber introvertierteren Personen ist).

Auf die Ernährung achten! Als ich plötzlich selber entscheiden konnte, was ich wann essen möchte und es eine Mensa gab, die rund um die Uhr Schoggigipfeli, Snickers, Ice Tea und vieles mehr verkaufte, gönnte ich mir in jeder 10ni-Pause etwas Süsses und mittags Pommes mit Wienerli. Abgesehen davon, dass ich relativ schnell Probleme mit meinem Gewicht bekam und mich nicht mehr so wohl fühlte, war es ein ständiges Jonglieren mit dem Blutzuckerspiegel. Zucker und kurzkettige Kohlenhydrate lassen den Blutzuckerspiegel kurzeitig in die Höhe schiessen und man fühlt sich super. Kurze Zeit später ist er dann aber im Keller und man fühlt sich nicht mehr so gut. 
Ergo: Lieber ein Blévita, einen Apfel, dunkles Brot oder ein Müsli essen.

Sich nicht entmutigen lassen! Auch wenn man anfangs Mühe hat: die Umstellung braucht Zeit. Man muss seinen Platz finden, spüren, was die Lehrer genau verlangen, wie die Prüfungen aussehen, wie man am besten lernt und so weiter. Es ist okay, wenn man in einem Fach nicht gut ist. Es bedeutet nicht, dass man deshalb zu dumm fürs Gymnasium ist. Selbstzweifel sind normal. Oft liegt es eher am Fleiss als am Intellekt. Mir persönlich haben Kurse geholfen, in denen man erfährt, wie man am besten lernt. Jeder lernt auf seine andere Art und Weise. Man muss seine Form zuerst herausfinden.

Sich nicht immer mit anderen vergleichen! Es gibt immer diejenigen, welche ohne grosse Mühe überall durchkommen. Das sind jedoch sehr wenige, und natürlich gibt es auch solche, die nur behaupten, nichts zu machen, insgeheim sich aber sehr anstrengen. Es macht keinen Sinn, sich von solchen Menschen entmutigen zu lassen.

Durchhalten! In der Probezeit werden nicht nur kognitive Fähigkeiten geprüft, sondern im Besonderen auch, ob man dem Druck standhalten kann und ob genug Disziplin und Fleiss vorhanden ist. Meiner Meinung nach kann man mit der richtigen Lernstrategie, Effizienz und Fleiss viele Defizite ausgleichen, sodass man diese Belastung übersteht.

Zuguterletzt

Ich denke gerne an meine Gymi-Zeit zurück. Auch wenn es eine strenge Zeit war und ich oft stundenlang auf eine Prüfung lernen musste, gab es daneben viele Momente, wo ich zusammen mit meinen Freundinnen am Mittagstisch gelacht habe oder wir etwas erlebt haben, was uns bis heute geprägt hat. Es ist wie mit allem: Manchmal sieht man erst im Nachhinein, wie wertvoll etwas ist!

Zürcher Nachhilfe wünscht viel Erfolg in der Probezeit!

Titelfoto: Marie Maerz / photocase.de